Wer hat Angst vor Pappmaché? Bildervortrag und Book Release


Jacques Tilly stellt sein künstlerisches Schaffen seit Jahrzehnten konsequent, unbeirrbar und unter Inkaufnahme heftiger persönlicher Anfeindungen in den Dienst der offenen Gesellschaft. Er hat den Karneval politisiert und nutzt seit über 40 Jahren die Bühne des Rosenmontags, um vor hunderttausenden Menschen am Straßenrand seine scharfe und pointierte Ideologiekritik zu inszenieren.

Er scheut keine Kontroverse, keine Konfrontation mit Staatsmacht oder einflussreichen Institutionen: Wer auch immer Demokratie und Menschenrechte angreift, kann sicher sein, kritisch gewürdigt zu werden, in Form satirischer Großplastiken, die immer häufiger auch außerhalb des Karnevals zum Einsatz kommen. Etliche NGOs und politische Aktivist:innen aus dem In- und Ausland nutzen Tillys dreidimensionale XXL-Karikaturen inzwischen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Ende 2025 wurde in Russland ein Strafverfahren gegen Jacques Tilly eingeleitet. Seinen putinkritischen Wagen werden „Falschinformationen über das russische Militär“ und „Verletzung religiöser Gefühle“ vorgeworfen. Ein Moskauer Gericht verurteilte ihn im April 2026 zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren Straflager. Der Fall wurde von der internationalen Presse wochenlang kommentiert, denn der Vorgang ist bisher beispiellos und stellt eine neue Eskalationsstufe Putins gegen Meinungs- und Kunstfreiheit dar.

In seinem Bildervortrag spricht Jacques Tilly über seine langjährige Tätigkeit und die jüngsten politischen Ereignisse rund um seine Arbeit. Gleichzeitig stellt er an diesem Abend sein neues Buch „Wer hat Angst vor Pappmaché?“ (Alibri) vor, welches er gemeinsam mit Eva Creutz herausgibt. Das Buch enthält etliche Bilder, Texte und Statements zu vielen politischen Wagen aus den Jahren 2021 bis 2026 sowie zu der Farce um seine Verurteilung durch den russischen Staat. Es ist ab dem 8. Oktober im Handel erhältlich.

Jacques Tilly, geboren 1963, lebt als Illustrator und Bildhauer in Düsseldorf. Seit über 40 Jahren prägt er den Düsseldorfer Karneval. Seine Großplastiken für politische Kampagnen u. a. von Greenpeace, Brexit-Gegnern und gegen kirchlichen Missbrauch fanden weltweit Beachtung. Von Amnesty International wurde er 2017 mit einem Menschenrechtspreis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. 2024 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 2025 widmete ihm das Stadtmuseum Düsseldorf eine große Retrospektive. 2026 wurden seine Arbeiten im Brüsseler EU-Parlament ausgestellt. Jacques Tilly ist Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung und Mitglied im Düsseldorfer Aufklärungsdienst e.V. (DA!)

  • Info: kontakt@aufklaerungsdienst.de, Tel: 0211/586 489 22

  • Eine Veranstaltung von Düsseldorfer Aufklärungsdienst e.V.